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Natalka Sniadanko
Chebrets v molotsi
Thymian in der Milch
Roman. Folio. Charkiv 2007. 218 Seiten
Original Ukrainisch. Russische Ubersetzung verfügbar für Begutachtung.
Eine Mutter, die Selbstmord begeht. Ein Vater, der schon vor der Scheidung nicht wirklich präsent ist. Eine Großmutter, die zu alt ist, ein kleines Mädchen großzuziehen. Ein Land, das mit dem Land der Kindheit nichts mehr gemein hat. Und ein Liebhaber, der lieber Postkarten aus dem Ausland schreibt, als vor Ort das Glück zu wagen. Verlust, Zerstörung und Entfremdung scheinen die prägenden Konstanten im Leben der Protagonistin Sofia zu sein.
So spaltet das zu Anfang im Ich erzählende Mädchen den traumatisierten Teil ihres Selbst ab und geht dazu über, in der dritten Person weiter zu erzählen. Vom Alltag des Erwachsenwerdens und davon, wie durch die Kraft des Erzählens die kleinen Wunder des Alltags den Sieg über die großen Wunden der eigenen Geschichte davontragen. Auf wundersame Weise erwacht die Mutter wieder zum Leben, der Vater taucht auf und mit ihm verloren gegangene Begleiter auf dem Weg ins Leben. Und in Briefen erlebt Sofia ihre Großmutter ganz neu als lebenslustige, starke junge Frau.
Nichts anderes geschieht mit der Erzählerin selbst. Indem sie von sich absieht und mit Empathie ihren Blick den anderen Menschen zuwendet (diese Figuren geben den Kapiteln des Buches ihre Uberschriften), kommt sie am Ende bei sich selbst und in der Gegenwart an.
Ein Buch über eine untergegangene Epoche in der Ukraine, über ein langsames und unbewegliches Zeitalter, dessen letzte stehengebliebene Uberreste wie durch die Perspektive eines umgedrehten Fernglases so weit entrückt scheinen, dass sie von einer Illusion nicht mehr zu unterscheiden sind. Und zugleich ein Buch über die heilende Wirkung des Erinnerns.
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Агатангель - Agatangel
Roman. Folio, Charkiv 2006, 287 Seiten
Original Ukrainisch. Russische Übersetzung verfügbar für Begutachtung und Übersetzung
Tygyryn ist eine kleine merkwürdige Stadt in Ostgalizien. Sie ist ein Zentrum für Künstler und Intellektuelle und eine Küche für seltsame neue Ideen. Mittendrin: die Journalistin und Heldin Horyslava Galychanko Der neueste Coup: man will Galizien vom Rest der Ukraine separieren. Sofort werden entsprechende Parteien und Zeitungen gegründet, um diese Idee zu propagieren. Mit verrückten Marketingstrategien versucht man sich der herrschenden "Popkultur" anzupassen. Doch damit beginnen auch schon die Probleme. Der Zeitungsgründer hat nicht genug Geld, sein Blatt wechselt ständig zwischen seriös und Boulevard, um genügend Auflage zu haben. Man holt sich einen Berater aus dem westlichen Ausland, um die Lage zu stabilisieren. Der macht sich nach kurzer Zeit wieder aus dem Staub und wird schließlich als politischer Spion entlarvt. Auch die Heldin muss erkennen, dass Verrat nicht allein bei ihren Liebschaften am Werk ist. Ihr Haustier, eine kleine Ratte, die sie überall mit hin trägt, entpuppt sich als kleiner Uberwachungsroboter, der ihr Alltagsleben gefilmt hat für eine populäre Realityshow im westlichen Fernsehen.
Eine in absurden Volten sich überschlagende Politfarce voller Verrücktheiten und schräger Figuren. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Sämtliche Schauplätze und Figuren sind selbstverständlich frei erfunden sind. Ahnlichkeiten mit der Ukraine der Orangenen Revolution sind rein zufällig.
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Колекция пристрастей - Kolekciya pristrastei
Sammlung der Leidenschaften
Roman. Piramida, Lviv 2001/ Neuausgabe Folio, Charkiv 2004, 287 Seiten
SOLD to dtv Germany
Olesja wächst in den späten 80ern als ukrainischer Teenie heran. Sie kommt aus "gutem Hause", wird konservativ erzogen und hat, was den Kontakt mit Jungs und Sexualität angeht, andere Vorstellungen als ihre Eltern. Aber auch mit dem, was bei ihren Altersgenossinnen "in" ist, kann sie nicht immer etwas anfangen. Statt in George Michael, Michael Jackson oder den noch zur Wahl stehenden Sänger einer russischen Boy Group verliebt sie sich in einen dicken, häßlichen, unsportlichen Mitschüler. Und kann dieses "Unglück" mit keiner Freundin besprechen.
Umso heftiger diskutiert sie die "Auswüchse" der sexuellen Revolution, die in Form übersetzter Rockmusiktexte einige Jahre später in der Ukraine Einzug hält. Ihr erster Freund ist natürlich ein Rockmusiker, mit dem sie sich wie Romeo und Julia nachts auf dem Balkon trifft.
Daß sie ihre Jungfräulichkeit ausgerechnet an einen russischsprachigen Freund verlieren will, macht ihr die Sache als "brave" Ukrainerin nicht einfacher. Der Junge ist noch dazu genauso verklemmt wie sie selbst, weshalb am Ende ein "Schraubenzieher" nötig sein wird.
Olesja geht schließlich als Au-pair nach Deutschland, wo sie zunächst in einer Gastfamilie in Baden-Baden Erfahrungen mit allen möglichen und unmöglichen deutschen Leidenschaften sammelt. Später als Studentin in Freiburg macht sie Bekanntschaft mit der allzu heftigen Leidenschaft ihres italienischen WG-Mitbewohners. Zu guter Letzt lernt sie in Hermann Hugo Siegfried altaristokratische Leidenschaften kennen und lieben. Ihre Eltern heißen den deutschen Adelssproß quasi gleich als Bräutigam willkommen. Doch wie heißt es im Roman: "Eine Geschichte der Leidenschaften muss zweifellos mit einer Hochzeit enden, und in bester Tradition des Vaudeville heiratet natürlich nicht jenes Paar, von dem es der Leser erwartet."
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