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Zakhar Prilepin
Ãðåõ - Grekh
Sin – Sunde
Short stories, Vagrius, Moscow 2007
foreign rights: Ed. des Syrtes, France
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Áîòèíêè ïîëíûå ãîðÿ÷åé âîäêîé - Botinki polny goryachei vodki
Boots full of hot vodka – Stiefel voll mit hei?em Vodka
Short stories, AST, Moscow 2008, 188 pages
foreign rights: Actes Sud, France
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Ñàíьêÿ - Sankya
Sankya
Roman. Ad Marginem, Moskau 2006, 280 Seiten
"Sankya", so wurde der kleine Sascha in seinem Dorf immer gerufen. Inzwischen gehört der Held Sascha zu einer Gruppe politischer Aktivisten, die von dem charismatischen Kostenko angeführt wird. Vielleicht auch verführt, denn das Ende der Ideologien hat in Russland ebenfalls Linke und Rechte durcheinandergeworfen und läßt die junge Generation, die sich dem Demokratismus Putins nicht stillschweigend unterwerfen will, nach neuer Orientierung suchen. Während Kostenko eine Strafe wegen unerlaubten Waffenbesitzes verbüßt, machen seine Anhänger – meist junge, vor Testosteron strotzende Männer, flankiert von gebildeten, ätherischen Mädchen – in Moskau Randale oder organisieren spektakuläre, aber pubertär anmutende Demonstrationen. Prilepin zeigt überzeugend, daß auch diese sinnlos erscheinenden Aktionen reale, auch emotionale Gründe haben. Das Ende ist auch im heutigen Russland oft tödlich. Die russische Polizei greift mit aller Härte durch, sperrt die jungen Leute ins Gefängnis oder prügelt sie auf offener Straße brutalst zusammen. Doch der Alptraum der Aktivisten wird zur Wirklichkeit, als Yana, die mit Kostenko eine Affäre hat und von Sankya angehimmelt wird, eine Tüte voll mit Ketchupnudeln nach dem Präsidenten wirft. Jetzt lassen die Behörden jeden Schein von Legalität fallen und beginnen ein Mitglied nach dem anderen zu liquidieren. Beim letzten großen Coup zur Provokation der Macht übernimmt Sankya die Führung.
Der Roman ist aus offizieller, russischer Sicht alles andere als politisch korrekt. Genauso wenig korrekt dürfte er wohl aber auch aus der Sicht russischer Menschenrechtler sein. Wie schon in seiner sezierenden, aber erstaunlich neutralen Darstellung der Tschetschenien-Problematik bleibt Prilepin auch hier Beobachter. Beobachter der Gefühle. Und wieder ist es ein Einblick in die innersten Gefühle der russischen Seele.
Gewalt erzeugt Gegengewalt im modernen Russland. Und man bekommt davon kaum etwas mit im Ausland. Er selbst ein Außenseiter, nicht einzuordnen – ein Ex-Tschetschenienkämpfer, ein liebender Familienvater, ein für Hochglanzmagazine posierender Dressman, ein politischer Aktivist. Wo findet er sich selbst wieder als hochsensibler Schriftsteller in einer Welt, die zur Unterwerfung aufruft? In der Sankya und seine Aktivistenfreunde möglicherweise die einzigen sind, die es noch wagen, gegen die allgegenwärtige Staatsgewalt aufzustehen.
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Ïàòîëîãèè - Patologii
Die Pathologen
Roman. Andreevsky Flag, Moskau 2005, 250 Seiten
Egor Tashevsky dient in einer Spezialeinheit in Tschetschenien. Aber Egor ist nicht vorbereitet auf diesen Krieg. Seine Psyche ist zerbrechlich, sein Mut zaghaft, Krieg gehört nicht zu seinen Vorstellungen von Normalität. Er ertappt sich dabei, nur neugierig zu sein, als die erste Leiche vor ihm liegt, er ertappt sich bei Phantasien über Desertieren und Krankheit, die ihn vor dem Einsatz retten würden, bei dem hysterischen Wunsch laut zu singen oder in einer Wiege zu schaukeln, während er auf den Feind wartet, er ertappt sich auf der Grenze zum Wahnsinn. Wahnsinnig verliebt ist er auch in Dasha. Eine rasende Liebe, die zu Irrsinnstaten des eifersüchtigen Egor führen. Ebenso irrsinnig wie die wütenden Ausfälle des jungen Helden gegen Gott, wie die grausamen Kriegsepisoden. Während die flashbacks der Kindheit als Waisenjunge und der unglücklichen Liebe zu Dasha aus der Soldatenfigur einen Menschen machen, lassen die Kriegsepisoden den Roman schwer und unaufhaltsam wie einen Stein den Berg hinunterrollen, auf sein Ende zu.
Dieser Roman ist nicht ideologisch, er analysiert nicht die Gründe der Kriegstreiber und Kriegsgewinnler weder auf der einen noch auf der anderen Seite. Es ist alles viel schrecklicher, realistischer und simpler.
Prilepin in einem Interview: "Als ich 1996 zum ersten Mal nach Tschetschenien fuhr, war ich aggressiv und draufgängerisch – nein, ich wünschte nicht allen Tschetschenen den Tod, aber ich ließ mich von imperialen Vorstellungen leiten. Jetzt, fast zehn Jahre später, packt mich maßlose Wut bei allen heutigen Tschetschenien-Hassern, Imperialisten und Kriegstriebern zum Sieg. Es ist ein schändlicher, ekelhafter, miserabler Krieg. Ich bin konservativ geblieben, stehe immer noch auf Seiten des Staates, doch ich halte mich für zurechnungsfähig und will nicht, daß mein Land das Leben von jungen Menschen opfert im Namen eines kleinen, aber sehr langwierigen Krieges, der keinesfalls zu gewinnen ist."
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